STRASSEN

Bonifaziusstraße

Lage: Zwischen Bahnhofplatz und Bonifaziusplatz

Mobirise


(kk) Die Bonifaziusstraße hieß bis 1917 Kirchstraße. Sie führt vom Mainzer Hauptbahn hof zur Rhabanusstraße und zum Bonifaziusplatz, dem früheren Kirchplatz, auf dem sich wiederum die katholische Kirche St. Bonifaz und das gleichnamige Domikaner kloster befinden. In direkter Nachbarschaft sind eine Straße, ein Platz, eine Kirche und ein Klos ter nach ein und demselben Menschen benannt. Der Heilige Bonifatius muss also ein bedeutender Mann gewesen sein.

Als Wynfreth kommt er um 673 (zur Jahreszahl finden sich in der Fachliteratur abweichende Angaben) in der englischen Graf schaft Wessex nahe Exeter zur Welt. Sein altenglischer Name bedeutet Freude (wyn) und Friede (freth), eingedeutscht lautet er Winfrid (auch: Winfried). Im Alter von sieben Jahren kommt der wissbegierige Junge ins Kloster, wo er sich dem Studium der Bibel widmet. Mit 30 Jahren wird der Benediktiner Priester und Lehrer und übernimmt später die Leitung der Klosterschule. 754 stirbt er als Missionar in Friesland eines gewaltsamen Todes.

Vom Ordensmann zum Missionar

Mit 40 Jahren bricht Winfrid mit seinem bisherigen Leben, lässt Kloster, Freunde und Familie hinter sich. Der Ordensmann wird zum Mis si onar. Der umfassend gebildete Winfrid kann den einfachen Menschen die lateinische Bibel mit verständlichen Worten in verschiedenen Sprachen nahe bringen. Er beeindruckt sein Publikum aber auch durch seine damals ungewöhnliche Körpergröße von 1,90 Metern. Die ersten der noch nicht christianisierten Völker, die er bekehren will, sind die Friesen. Doch diese lehnen den christlichen Glauben ab, weil es der Glaube ihrer fränkischen Feinde ist. Und so bleibt Winfrids erste Mission erfolglos. Das kratzt jedoch scheinbar nicht an seinem guten Image zuhause. Denn zurück im englischen Kloster wird er von seinen Brüdern zum Abt gewählt.

Vom Missionar zum Missionsbischof

Doch im Jahr 718 verlässt der Glaubens missi onar das Kloster wieder – und diesmal endgültig. Sein Weg führt nach Rom, wo er offiziell von Papst Gregor II. zur Mission beauftragt wird, „ungläubigen Völkern das Geheimnis des Glau bens bekannt zu machen“. Am 15. Mai 719 erhält Wynfreth die Weihe und nennt sich von da an Bonifatius (auch Bonifazius) – nach dem Heiligen, der am Tag davor Namenstag hatte. Als Heiden apostel bekehrt er erfolgreich Hessen, Bayern und Thüringer. 722 ernennt ihn der Papst zum Missionsbischof mit der Aufgabe, die germanische Kirche zu ordnen. Bonifatius gründet im gleichen Jahr in Amöneburg sein erstes Kloster, eines von vielen in Hessen und Mainfranken, mit denen er den Grundstein für die Orga nisation der gesamten deutschen Kirche legt.

Aufstieg und Fall

732 wird Bonifatius zum Erzbischof und fünf Jahre später zum päpstlichen Legaten ernannt, der seine Missionstätigkeit nach Bayern und Sachsen ausweitet. Die Neustrukturierung der im Innern zerfallenden katholischen Kirche ist dem Benediktiner eine Herzensangelegenheit. Damit macht er sich aber nicht nur Freunde. Er stößt auf erbitterten Widerstand, zum Beispiel als er, der gebürtige Angelsachse, zum mächtigen Erzbischof von Köln werden soll. 747 wird er deshalb „nur“ Mainzer Bischof für die Dauer von acht Jahren, in denen sein Einfluss zusehends schwindet.

Anfang und Ende

Im hohen Alter von 80 Jahren reist er noch einmal, wie schon zu Beginn seiner Missionarstätigkeit, zu den heidnischen Friesen, wo sich der Kreis für ihn schließt. Am 5. Juni 754 wird er dort während eines Taufgottesdienstes an Pfingsten von Räubern erschlagen, gemeinsam mit seinen rund 50 Begleitern. Geistliche aus Mainz erwirken, dass der Leichnam ihres Bischofs überführt und in einer großen Prozession nach Fulda gebracht wird. Bonifatius selbst wollte dort beigesetzt werden, wo er sein bedeutendstes Kloster gegründet hatte. Seit 1867 ist sein Grab der Ort, an dem die deutsche Bischofskonferenz zusammentritt. Und an ihrem Ende wird jeder Bischof mit der Bonifatius-Reliquie gesegnet.

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Juli 2019)

Mobirise

Diese Fotografie zeigt die Bonifaziustraße 1940 vom Bahnhofplatz zur Bonifatiuskirche,
so wie sie bis zu ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg aussah.

Adresse

Neustadt im Netz e.V.
c/o caritas-zentrum Delbrêl
Aspeltstraße 10
55118 Mainz

Kontakt

Mail: nin@mainz-neustadt.de
Tel.: 0151 1922121
Tel.: 06131  6367034

Website was made with Mobirise