STRASSEN

Gabelsbergerstraße

Lage: Lage: Zwischen Hindenburgstraße und Sömmerringplatz

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Franz Xaver Gabelsberger –  der Name zur Straße
Ein ausgezeichneter Stadtplaner  

(ldm) Die Gabelsbergerstraße dürfte eine der  kürzesten Straßen der Mainzer Neustadt sein. Ob diese Tatsache bei ihrer Benennung Pate  stand, lässt sich nach 112 Jahren nicht mehr  feststellen. Gesichert ist nur, dass der Gabelsberger Stenographen Verein 1901 beantragte,  die kurze Verbindung zwischen Sömmerringplatz und Hindenburgstraße nach Franz Xaver  Gabelsberger (1789-1849) zu taufen, dem  Erfin der des erfolgreichsten Kurzschriftsystems  in Deutschland und Österreich. Es wurde auf  zahlreiche fremde Sprachen übertragen und  ging 1924 in der Deutschen Einheitskurzschrift  auf, die auf den Systemen Gabelsberger und  Stolze-Schrey basiert. 

Franz Xaver Gabelsberger kam in München  als Sohn eines Blasinstrumentenherstellers zur  Welt. Nach Klosterschule und Gymnasium wurde er mit 21 Jahren Kanzlist im bayerischen  Staatsdienst. Bereits im Altertum und Mittelalter gab es geometrische Kurzschriftsysteme in Klöstern und im Rechtsverkehr, in der  Neuzeit vor allem in England – u. a. zur Mitschrift von Shakespeare-Stücken – und dann in  Frankreich. Die Einrichtung von Parlamenten  in den süddeutschen Monarchien seit der bayerischen Verfassungsreform von 1818 erforderte eine für die mitlautreiche deutsche Sprache  taugliche Schnellschrift. Zu dieser Zeit entwickelte Gabelsberger ab seinem 28. Lebensjahr  sein von der deutschen Kurrentschrift abgeleitetes kursives System, das sich rasch in den verschiedensten Bereichen durchsetzte. Gabelsberger wurde zum ersten Parlamentsstenografen  des bayerischen Landtags. Auch während der  Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 wurde u. a. sein System verwendet, danach in  den meisten anderen Parlamenten bis zur Einführung der Deutschen Einheitskurzschrift. 

Keineswegs war die neue Kurzschrift  aber nur für Verhandlungsniederschriften von Bedeutung. Vielmehr gehörte sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Konzept- und Arbeitsschrift zum Instrumentarium von Wissenschaftlern sowie dem kaiserlichen Offizierskorps. 

Das gewitzte Prinzip, Vokale nur ausnahmsweise durch selbstständige Zeichen, meist aber durch die Platzierung – höher, tiefer, weiter – oder aber die Strichstärke, Form oder Größe des folgenden Konsonanten darzustellen, hat sogar Philosophen inspiriert. Der Stenographie liege die wertvolle Einsicht zugrunde, dass ebenso wirklich wie die Dinge selbst die Beziehungen zwischen den Dingen seien, heißt es in einer tiefgründigen Abhandlung über das „Geheimnis der Stenographie“. Ein schwacher Trost für die Generationen kaufmännischer Schüler, die sich bis in die 1990er Jahre mit „Steno“ quälen mussten. Heute ist Stenografie immerhin noch ein interessantes Hobby, und die kleine Gabelsbergerstraße zwischen der prächtigsten Allee der Neustadt und einem ihrer schönsten Plätze behalten wir auch.

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe April 2013)

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Der Text der Stenographie lautet:

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