STRASSEN

Kaiserstraße

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Die Kaiserstraße in Mainz

(sk) Die breite, gut 1 km lange Kaiserstraße  wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Mainzer Stadtbaumeister Eduard von Kreyßig angelegt, der für die städtebauliche Gestaltung der Neustadt verantwortlich war. Sie entstand auf dem Gelände des ehemaligen Festungswalls, den im 17. Jahrhundert Kurfürst Johann Philipp von Schönborn errichten ließ und trennt die Mainzer Neustadt von der Altstadt. 

Diese Kaiserstraße in Mainz ist nicht zu  verwechseln mit der die Stadt Mainz berührenden, nach Saarbrücken führenden Kaiserstraße,  einer Landstraße, die einst nach Napoleon I.  benannt wurde. 

Von Kreyßigs Grundidee war die Erschließung des Gartenfeldes durch ein symmetrisches, gitterförmiges Straßensystem aus Längs- und Querachsen – aufgelockert durch grüne Alleen und Plätze. Drei große Nordwest-Südost-Achsen (Rheinallee, die heutige Hindenburgstraße und die Boppstraße) galten als Verbindungsachsen zwischen Neustadt und Altstadt. Sie stoßen alle auf die breite gründerzeitliche Straße mit ihren Parks und repräsentativen Bauten.

Anfänglich wurde die Kaiserstraße ganz  einfach Boulevard genannt. Boulevard stammt  aus dem Französischen und bedeutet breite  Prachtstraße. Ursprünglich jedoch bezeichnet  ein Boulevard einen aus einem Wall bestehendes Bollwerk. Im 17. Jahrhundert hatte man in  Paris begonnen, die Festungswälle mit Baumreihen zu bepflanzen, um so den Bürgern eine  Möglichkeit zum Promenieren zu bieten. Im  19. Jahrhundert wurden dann in vielen Städten  Europas diese Boulevards nach Vorbild der  Pariser Prachtstraßen nachgeahmt, so auch in  Mainz. 

Kaiser Wilhelm I., Namensgeber der  Kaiserstraße 

Da die Straße im Volksmund bereits „Boulevard“ genannt wurde, verwarf man 1881 bei einer geplanten Namensfindung, die Vorschläge Kaiserstraße und Friedensstraße und nannte die Prachtstraße nun offiziell Boulevard. Im Zuge der nationalen Begeisterung der wilhelminischen Regierungszeit wurde der französisch klingende Name vielfach kritisiert. Die Stadtverordnetenversammlung sträubte sich  lange gegen den Antrag der Anwohner, den Boulevard umzubenennen. Man einigte  sich aber schließlich Ende 1887 – anlässlich des 90. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. – auf den neuen Namen Kaiserstraße. 1888 wurde sie offiziell umbenannt. 

Wilhelm I. (1797-1888) aus dem  Haus Hohenzollern war seit 1858  Regent, seit 1861 König von Preußen und  ab 1866 Präsident des Norddeutschen Bundes. 1871 wurde er erster Deutscher Kaiser.  Am 22. März 1797 wurde er als zweiter  Sohn von Wilhelm III. von Preußen und seiner  Frau Luise von Mecklenburg-Strelitz in Berlin  geboren. In der Thronfolge stand er hinter seinem Bruder Friedrich Wilhelm IV.  

Nach schulischer Ausbildung wurde Wilhelm Soldat und nahm in den Jahren 1814 und 1815 an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. In den Friedenszeiten machte er Karriere beim Militär und stand in Staatsangelegenheiten dem König beratend zur Seite. 

1829 heiratete Wilhelm auf Betreiben seines Vaters Prinzessin Marie Luise Augusta Catharine, Tochter des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach. Die Ehe mit Augusta war nie besonders glücklich, die intelligente, musisch begabte und am Weimarer Hof liberal erzogene Augusta war ihrem Mann intellektuell überlegen und fühlte sich am preußischen Hof nicht sonderlich wohl. Aus der Ehe mit Augusta gingen aber zwei Kinder hervor, Friedrich-Wilhelm und Luise. 

Wilhelm war ein scharfer Gegner der  Berliner Märzrevolution von 1848 und ließ sie  mit blutiger Gewalt beenden. Dadurch handelte  er sich die Bezeichnung „Kartätschenprinz“ ein  (eine Kartätsche war ein mit Blei gefülltes  Artilleriegeschoss). Er musste Preußen verlassen und floh für einige Monate nach London. Im Juni 1848 konnte er zurückkehren und  wurde sogar in die preußische Nationalversammlung gewählt. 

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Gouverneur der Festung in Mainz

Zwischen 1850 und 1958 residierten Wilhelm  und Augusta in Koblenz im Kurfürstlichen Schloss. Wilhelm wurde Generalgouverneur in  den Provinzen Rheinland und Westfalen und  später dann auch Generaloberst der Infanterie  mit dem Rang eines Feldmarschalls und  zugleich Gouverneur der Festung in Mainz.  

Insbesondere Prinzessin Augusta genoss  die Jahre in Koblenz. Hier hatte sie endlich die  Gelegenheit, ein Hofleben zu gestalten, wie sie  es aus ihrer Kindheit am Weimarer Hof  gewöhnt war. Sohn Friedrich studierte im  nahen Bonn Rechtswissenschaften und war  damit der erste preußische Thronfolger, der  eine akademische Ausbildung erhielt.  

1861 starb der Bruder Wilhelms und Wilhelm wurde zum König von Preußen gekrönt.  Seit 1850 war Preußen eine konstitutionelle  Monarchie, allerdings mit sehr ausgeprägten  Rechten der Krone. Der König bildete die  Exekutive und übte diese durch die ihm untergebenen Minister – besonders seinen Ministerpräsidenten Fürst Otto von Bismarck – aus. Bismarck beeinflusste Wilhelm in den meisten  politischen Angelegenheiten, immer wieder  kam es zu Konflikten mit dem preußischen  Landtag. Außerdem ließ sich Wilhelm von  Bismarck in die Einigungskriege gegen  Dänemark, Österreich und 1870/71 gegen  Frankreich treiben. 

Krönung zum Kaiser

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71  übernahm Wilhelm den Oberbefehl über die  gesamte in Frankreich einrückende Armee und  leitete danach von Versailles aus die politischen  Verhandlungen die Gründung des Deutschen  Reichs. Im Spiegelsaal des Versailler Schlosses  bei Paris wurde am 18. Januar 1871 der feierliche Akt vollzogen und Wilhelm zum ersten  Deutschen Kaiser proklamiert. Im selben Jahr  fanden die ersten Wahlen zum Deutschen  Reichstag statt. 

In den Folgejahren überließ Wilhelm  Reichskanzler Bismarck die Politik und  beschränkte sich vorwiegend auf das Repräsentieren. Er machte es sich zur Aufgabe, die  Monarchie im Inneren zu stärken und die  Einzelstaaten in das Reich zu integrieren.  Inner halb des Deutschen Reiches war er äußerst  beliebt und genoss auch beim Volk große  Anerkennung. 

Der Kaiser starb am 9. März 1888 in Berlin.  Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich III., der  nur 99 Tage im Amt war und an einer Krebserkrankung starb. Ihm folgte im Alter von nur  29 Jahren Wilhelm II., Enkel von Wilhelm I.  Deshalb ging 1888 als das Dreikaiserjahr in die  Geschichte ein.

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Juli 2013)

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Ein Blick von der Christuskirche auf einer alten Postkarte. Die Bonifaziuskirche noch mit spitzem Turm.

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Der Blick heute vom Turm der Christuskirche. Heute dominieren die Bonifaziustürme das Bild. Weitere Aussichtsfotos von der Christuskirche finden Sie hier

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So schön war einmal das Leben auf der Kaiserstraße ohne den sechsspurigen Autoverkehr

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Im Jahr 2003 wurde die Kirche von außen renoviert und eine behindertengerechte Rampe zum Eingang gebaut. 2004 erfolgt die Innenrenovierung.

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Der Brunnen vor der Christuskirche. Er wurde benannt nach seinem Stifter, dem Mainzer Fabrikanten HAns KLEnk

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