STRASSEN

Kreyßigstraße

Lage: Zwischen Goethestraße und Kaiser-Karl-Ring

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Eduard Kreyßig – der Name  zur Straße

(ab) Die Straße, die nach Eduard Wilhelm  Christian Kreyßig, dem wohl berühmtesten Stadt baumeister von Mainz (1864 bis 1896) benannt wurde, ist keine der Prachtstraßen und Boulevards, die er in seinem Leben plante und bauen ließ. Sie liegt, eher verborgen, in der Denkmalzone Bismarckplatz im nördlichen Teil der Neustadt zwischen Goetheplatz und Kaiser-Karl-Ring. 

Eduard Kreyßig wurde 1830 im Kreis  Schotten als Sohn eines großherzoglich hessischen Forstbeamten geboren. Als er 1864 den Ruf zum Stadtbaumeister von Mainz erhielt, hatte er bei renommierten Lehrmeistern bereits fundierte Erfahrungen erworben: im Tiefbau und im Eisenbahnbau, im Straßen- und Brückenbau sowie in der Flussregulierung. 

Er kam zu einer Zeit nach Mainz, als die  Stadt im wahrsten Sinne des Wortes aus den Nähten platzte. Die Stadt war seit 1825 formell Festung des Deutschen Bundes und von einem gewaltigen Festungsgürtel „eingeschnürt“, der entlang der heutigen Kaiserstraße verlief. Außerhalb der Festungsmauern durften aus  militärischen Interessen (freies Schussfeld) keine Gebäude errichtet werden. Ausweichmöglichkeiten gab es zwar im Norden, im „Gartenfeld“, aber die Häuser waren nur mit Ausnahmegenehmigung gebaut. Als „Sondernutzungsgebiet“ gestattet waren dort die Gärten für den Anbau von Gemüse, Obst, Hopfen, Flachs und Kräutern. Die industrielle Entwicklung jedoch löste in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein rasantes Bevölkerungswachstum aus. Um 1870 war die Einwohnerzahl von Mainz fast drei Mal so groß wie die von Frankfurt oder Berlin. 

Ein ausgezeichneter Stadtplaner  

Bereits bei seinem Amtsantritt 1864 hatte Eduard Kreyßig die Dringlichkeit einer Stadterweiterung erkannt und entwarf 1867 sein erstes Bebauungskonzept. Ihm schwebte das Bild einer Stadt vor, die sich im Laufe der Zeit sowohl nach Norden wie nach Süden über die Grenzen der Wallanlagen vergrößern und entlang des Rheins entwickeln konnte. Doch erst nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges, als Mainz seine militärische Bedeutung als Grenzstadt verlor, gelang der Stadt 1872 nach schwierigen Verhandlungen mit dem Festungsgouvernement ein Stadterweiterungsvertrag, der die Auflassung der nordwestlichen Gartenfeldfront ermöglichte. 

Mit seinen Entwürfen prägte Eduard Kreyßig das architektonische und städtebauliche Gesicht der Neustadt. Er plante ein großzügiges symmetrisches Straßennnetz, in dem die Straßenachsen in zentrale Plätze strahlenförmig einmünden und freie Sicht auf den Dom bieten. Von dieser Vision blieb allerdings nach fortwährenden Änderungsauflagen nur wenig übrig. Einzig der 60 m breite „Boulevard“, der 1888 zu Ehren Kaiser Wilhelms I. in „Kaiserstraße“ umbenannt wurde, sowie die heutige Hindenburgstraße lassen das System noch erahnen, das Kreyßig vorschwebte. In der Kaiserstraße erinnert eine Kreyßig-Büste des Mainzer Bildhauers Eduard Lipp (1904) an den vielfach ausgezeichneten Stadtplaner und Architekten. 

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Prägende Veränderungen

Eine der weitreichendsten Überlegungen in  Kreyßigs Bebauungskonzept war die Verlegung der Eisenbahntrasse vom Rheinufer an die Westseite der Stadt (1874), die damit verbundene Untertunnelung der Zitadelle und die Errichtung des Hauptbahnhofs. Damit öffnete er die Stadt zum Fluss hin. Mit dem Bau einer zweiten Eisenbahnbrücke Richtung Wiesbaden tauchten auch erste Entwürfe auf für den Bau eines Zoll- und Binnenhafen (1887) mit dem großen Lagerhaus, dem Verwaltungsgebäude und dem Maschinen- und Kesselhaus. Kreyßig veranlasste weitere Fluss-Anschüttungen, die Erhöhung des gesamten Niveaus zum Hochwasserschutz sowie die Anlage einer Uferpromenade. 

Sein erstes umfangreicheres Wohnprojekt  war die Anlage Schottenhof (1873 bis 1876), in der er selbst von 1876 bis zu seinem Tod lebte. Zudem plante er den Umbau des Stadthauses (1874/75) und des Stadttheaters (1876), die Restaurierung des Kurfürstlichen Schlosses, den Bau der orthodoxen Synagoge (1877) in der Margaretenstraße und der jüdischen Friedhofshalle (1880/81) neben dem Hauptfriedhof. Als sein Hauptwerk gilt die Errichtung der  Christuskirche für die evangelische Gemeinde, der er selbst angehörte. Er begann den Bau 1896 im Stil der italienischen Hochrenaissance, wobei die Kuppel an den Petersdom in Rom erinnert. Die Vollendung des Bauwerks (1903) erlebte er nicht mehr mit. Er starb am 11. März 1897. Seine Grabstätte liegt auf dem Hauptfriedhof in Mainz. 

Die Benennung der Straße ihm zu Ehren  erfolgte am 19. Oktober 1989.

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Januar 2013)

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Eduard Kreyßig
1830-1897

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(kk) Die Kreyßigstraße verbindet Goethestraße und Kaiser-Karl-Ring in der Mainzer Neustadt. Sie ist benannt nach Eduard Kreyßig, der von 1864 bis 1896 Stadtbaumeister von Mainz war und das Erscheinungsbild der Stadt maßgeblich geprägt hat. Auf sein Konto gehen die Erweiterung des Rheinufers mit der Neugestaltung des Zollhafens und der Ausbau des Gartenfelds zur Neustadt, sowie der Bau des Hauptbahnhofs, des Schlachthofs und der Christuskirche. Die Fertigstellung der beiden letzten Projekte hat er jedoch nicht mehr selbst erlebt.

Auf der Kaiserstraße, auf der die Kirche steht und die nach Kreyßigs Plänen zum „Boulevard“ werden sollte, wurde ihm im Jahr 1904 auf dem Mittelstreifen ein von Eduard Lipp geschaffenes Denkmal gesetzt. Unter den Nazis musste dies jedoch einem Horst-Wessel-Denkmal weichen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg würdigt die Kreyßig-Büste – wieder am alten Standort – das Andenken an den Städtearchitekten.

Der letzte Stadtbaumeister

Geboren wurde Eduard Kreyßig am 30. August 1830 im hessischen Eichelsachsen. Seine Karriere in der Baubranche begann vielleicht damit, dass er mit 21 Jahren in die Darmstädter Gewerbeschule eintrat. Dort schaffte er drei Jahre später und nach mehreren Anläufen die „spezielle Prüfung“ für das Kreisbaumeisteramt und trat in den hessischen Staatsdienst. Er verschaffte sich Kenntnisse in der Regulierung von Flüssen sowie im Straßen-, Brücken- und Eisenbahnbau. Aber auch beim Bau von Kirchen, Schulen und Haftanstalten war er beteiligt. Anfang der 1860er Jahre gehörten neben den evangelischen Kirchen von Bensheim und Lampertheim auch das Rathaus von Nordheim zu seinen Projekten als Bauleiter.

In dieser Zeit bewarb sich der junge Architekt Kreyßig gemeinsam mit drei anderen, teilweise erfahreneren und berühmteren Kandidaten auf das Amt des verstorbenen Mainzer Stadtbaumeisters. In einer Gemeinderatssitzung im November 1864 fiel das Los auf ihn und im Jahr darauf übernahm er offiziell die umfangreichen Aufgaben, die dieses Amt mit sich brachte. Dazu gehörte, städtische Bau vorhaben zu planen, durchzuführen und zu unterhalten. Kreyßig baute neue Straßen, stellte die Wasserversorgung sicher, war für das Rheinufer und die Häfen verantwortlich sowie für die Friedhöfe und Gärten. Sogar die Feuerwehr, die städtische Beleuchtung und private Neubauten wurden von ihm beaufsichtigt. Und das alles mit zwei Planstellen. Dementsprechend war eines seiner ersten Ziele, sein Personal aufzustocken und seinen Bereich zu vergrößern. Als er 1896 aus dem Dienst trat, hatte er 30 Leute unter sich. Er war der letzte Stadtbaumeister dieser Art mit dieser Fülle an Aufgaben. Nach ihm wurden diese auf vier Ämter verteilt: einem Hochbau- und einem Tiefbauamt, ein Amt für Baupolizei und eines für Maschinenwesen.

Ein ausgezeichneter Städtearchitekt

1867 reiste Kreyßig zu Studienzwecken nach Paris zur Weltausstellung. Ihn interessierte besonders die Arbeit des Städteplaners Georges-Eugène Haussmann, der die französische Hauptstadt umgestaltet hatte. Diese Eindrücke beeinflussten Kreyßigs Stil sehr und flossen in seine Stadterweiterung von Mainz ein. Für diese erhielt Kreyßig denn auch das Ritterkreuz 1. Klasse im Jahr 1877. Es war nicht sein letzter Titel: Später trug er den Ehrentitel Baurat und bekam das Ehrenzeichen für Verdienste bei der Überschwemmung 1882/83 sowie die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Die große Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurde, wurde noch einmal deutlich, als 1896 in der Stadthalle sein silbernes Dienstjubiläum gefeiert wurde und er als Geheimer Baurat bei vollen Bezügen (eine Seltenheit!) in Frührente gehen durfte. Ein Grund dafür war, dass sein Gesundheitszustand immer schlechter wurde. Bereits im Jahr darauf starb Kreyßig dann auch im Alter von 66 Jahren in Mainz. Er war vierzig Jahre mit seiner Frau Louise verheiratet, mit der er vier Kinder hatte und die ihn noch ein paar Jahre überlebte. Kreyßig wurde auf dem Mainzer Hauptfriedhof beerdigt, für den er zu seinen Lebzeiten als Stadtbaumeister zuständig war.

Aber auch postum wird er noch bis heute geehrt: Das neue Eduard-Kreyßig-Ufer befindet sich zukünftig dort, wo sein Namensgeber einst einen der modernsten Häfen seiner Zeit bauen ließ und heute, über 100 Jahre später, das neue Stadtquartier Zoll- und Binnenhafen entsteht.

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Januar 2018)

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