STRASSEN

Langer Hunikelweg

Lage: Zwischen Josefsstraße und Rückseite der Kurfürstenstraße

Mobirise

(Foto: Andreas Reinhardt)

(kk) „Langer Hunikelweg“ – was,  den kennen Sie nicht? Zugegeben, ich kannte ihn auch nicht.  Dachte ich zumindest. Aber wenn Sie wie ich schon mal auf dem Parkplatz des vietnamesischen Restaurants Hanoi in der Leibnizstraße geparkt haben, haben Sie dahinter vielleicht auch den kleinen Zufahrtsweg bemerkt, der links von der Josefsstraße aus zu erreichen ist. Das ist der ca. 100 Meter kurze „Lange Hunikelweg“, in dem ganze vier Hausnummern zu finden sind: 1, 3, 3a und 7. Wo Nummer 5 geblieben ist, ist unklar und auch nicht bei Wikipedia zu finden. Dort steht aber zumindest, dass der „Lange Hunikelweg“ „nach der Gewannbezeichnung Hunikel (erstmals schriftlich erwähnt: 1294 huntygile)“ benannt sein könnte. Die Mainzer Straßennamen-Forscherin Rita Heuser hat unter anderem herausgefunden, dass der Name von einer Art (Hun-)Igel oder auch von der Zahl Hundert abstammen könnte. Der Name „Langer Hunikelweg“ soll zum ersten Mal 1850 erwähnt worden sein, der Hunigelweg jedoch bereits 1657. Eine dritte Schreibweise, auf die Frau Heuser gestoßen ist, lautet Hunnickelweg und soll eine „mundartliche“ Form sein. (mehr dazu siehe weiter unten)

Soweit, so nachvollziehbar. Viele Straßen sind ja auch nach mehr oder weniger bekannten und mehr oder weniger lebenden Personen benannt. Aber Hunikel – so heißt doch niemand, oder …? Tatsächlich sucht jemand auf der englischsprachigen Webseite findagrave.com nach Menschen, die eine Margaret Hunickel Kraatz kannten, geboren im März 1916, gestorben im Oktober 1936. Sechs Jahre zuvor datiert ein Eintrag des Ehepaares Rose und William Hunnikel im Melderegister der Stadt New York (Quelle: ancestry.com). 

Und schließlich findet sich sogar ein „waschechter“ Herr Hunikel, und zwar nicht in Amerika, sondern hier und heute im Mainzer Telefonbuch! – Tja, warum in die Ferne schweifen …

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Januar 2014)


Erstmals erwähnt: neben dem Hunigelweg 1657, Langer Hunikelweg 1850.

Benannt nach der Gewannbezeichnung Hunikel (erstmals schriftlich erwähnt: 1294 huntygile). Der Weg liegt unter dem heutigen Straßenniveau, er wurde bei der Anlage der Stadterweiterung nicht aufgeschüttet.

Für diesen alten, rätselhaften Namen (mundartlich: 'Hunnickel') gibt es zahlreiche Deutungsversuche, wobei folgende abzulehnen sind: Hundigel bezeichnet mundartlich einen grösseren, essbaren Igel mit spitzer Schnauze und hellerer Farbe.Mehrfach wurde vermutet, dass es sich umeinen Besitzernamen handelt entstanden aus Johann Nikolaus > Hans Nikel. Das hohe Alter des Flurnamens legt jedoch auf jeden Fall einen anderen Schluss nahe. Möglich ist die Ableitung von althochdeutsch hundo, hunno, mhd. hunde, hunne „Vorsteher einer Hundertschaft, Vorsteher des Zehntgerichts, später abgesunken zur Bedeutung Gerichtsbüttel“. Die Bezeichnung hatte vor allem in frühmittelalterlicher merowingischer Zeit Geltung, sie leitet sich von althochdeutsch hunt „hundert“ ab. Der Mainzer Name zeigt kein Genitiv-s, das erst vereinzelt ab dem 15. Jh. auftritt, zu einer Zeit, in der der Name bereits falsch gedeutet und auf das Tier Hund bezogen wurde. Christmann belegt für einige Flur- und Straßennamen, die mit Hund- gebildet wurden, einen Bezug auf ehemalige Gerichtsstätten (Hunno = Richter). Interessant könnte in diesem Zusammenhang die Nachbarschaft zur Gewann Am Blauen Stein sein, auch dieser Name kann ein Hinweis auf eine Gerichtsstätte sein. Ungeklärt blieb bislang die Bedeutung der Nachsilbe -igil, -igel. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit lateinisch -iculus, einem Verkleinerungssuffix (= kleiner Hundo)

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