STRASSEN

Pfitznerstraße

Lage: Zwischen Kreyßigstraße und Sömmerringstraße

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Umstrittener Namensgeber: Die Pfitznerstraße

(kk) Die Pfitznerstraße verläuft parallel zur Goethestraße und liegt zwischen dieser und der Richard-Wagner-Straße. Das passt ganz gut, denn auch die Pfitznerstraße ist nach einem Komponisten benannt: dem Richard Wagner-Fan Hans Erich Pfitzner. Er war in Mainz von 1894 bis 1896 als Zweiter Kapellmeister am Theater beschäftigt. Hier wurden seine Opern „Der arme Heinrich“ und „Palestrina“ uraufgeführt. 1869 kam er in Moskau zur Welt und starb 1949 in Salzburg. Beerdigt wurde er jedoch in Wien, wo er durch den Einsatz der Wiener Philharmoniker ein Ehrengrab erhielt.

Musikkarriere in die Wiege gelegt

Mit drei Jahren zog Pfitzner mit seinen Eltern nach Frankfurt am Main, wo er mit elf Jahren anfing zu komponieren und mit 17 Klavier und Komposition am Dr. Hoch Konservatorium studierte. Die musikalische Karriere schien vorbestimmt, denn schon Vater Robert war Orchester-Violinist und Musikdirektor und der erste Musiklehrer des kleinen Hans.

Nachdem Pfitzner sein eigenes Studium 1890 beendet hatte, unterrichtete er für vier Jahre am Koblenzer Konservatorium. Dann ging er nach Mainz, wo er drei Jahre lang als Korrepetitor und Kapellmeister arbeitete, bevor es ihn weiter nach Berlin zog. Dort unterrichtete er zunächst wieder, war dann aber von 1903 bis 1905 auch 1. Kapellmeister am Theater des Westens. Nach Berlin folgten München und Straßburg, wo er während seiner größten Schaffensphase die Leitung des Konservatoriums und der Oper übernahm. 1913 ernannte ihn die Straßburger Universität zum Professor.

Rolle in der Nazizeit

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam Pfitzner nach Deutschland zurück und blieb als bekennender Nationalist auch unter dem Hitlerregime hier. Er erhoffte sich wohl eine gewisse Protektion, um auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt zu werden. Er schrieb unter anderem sogar an Hitler persönlich, um sich als „deutschesten aller lebenden Komponisten“ zu empfehlen, und rief öffentlich zu dessen Wahl auf. „Seiner Excellenz Benito Mussolini“ widmete der Komponist sogar einen Klavierauszug aus seinem Hauptwerk „Palestrina“. Pfitzners Rechnung schien zunächst aufzugehen. 1936 wurde er zum Reichskultursenator ernannt und 1942 Mitglied der National sozialistischen Volkswohlfahrt. 1944 erhielt er von Hitler eine Schenkung über 50.000 Reichsmark zum 75. Geburtstag.

Jedoch weigerte sich Pfitzner, eine Hymne auf den „Führer“ zu komponieren. Und ersetzte sich bei Hindenburg und Himmler für seinen jüdischen Freund, den Schriftsteller Paul Nicolaus Cossmann, ein, obwohl er sich selbst immer wieder antisemitisch äußerte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Pfitzner entlastet und galt nach dem Gesetz der Entnazifizierung als „nicht betroffen“. Später behauptete er aber unter anderem, der Zweite Weltkrieg wäre lediglich die Folge einer „Lügen- und Greuel propaganda“ gegen Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg gewesen. Pfitzners Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus erscheint bis zum heutigen Tag widersprüchlich.

Keine einzigartige Straße

Aber der Komponist galt wohl als bedeutender Zeitgenosse. Denn immerhin sind in ganz Deutsch land 19 Straßen nach ihm benannt, verteilt von Lübeck bis München. Allein in Rheinland-Pfalz gibt es außer in Mainz noch eine weitere Pfitznerstraße in Bad Kreuznach. Und zu Pfitzners 125. Geburtstag brachte die Deutsche Bundespost 1994 eine Sondermarke heraus.

2012 sah jedoch die Stadt Münster genug Gründe, um die Straße, die sie 1961 nach Pfitzner benannt hatte, umzubenennen in Margarete-Moormann-Weg: „Ausschlag gebend für die Empfehlung der Umbenennung (der Kommission Straßennamen – Anm. d. R.) war die Bewertung, dass der Komponist und Dirigent Hans Pfitzner eine Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur war und die höchsten Würden erreicht hat, die man in der NS-Kulturpolitik erreichen konnte.“

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Januar 2017)

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