STRASSEN

Scheffelstraße

Lage: Zwischen Colmarstraße und Goethestraße

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(kk) Die Scheffelstraße grenzt an einer Seite an den Goetheplatz in der Mainzer Neustadt und verbindet die Goethestraße mit der Colmarstraße. Mit der Redewendung „Man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ hat sie nichts zu tun. Denn benannt wird sie 1921 nach dem im 19. Jahrhundert gefeierten deutschen Schriftsteller und Dichter Joseph Victor Scheffel, der zu seinem 50. Geburtstag in den Adel erhoben wird und ab dann „von Scheffel“ heißt.

Auf Umwegen zur Literatur 

1826 kommt Scheffel in Karlsruhe zur Welt, wo er im Alter von nur 60 Jahren auch stirbt. Die Liebe zur Literatur teilt er mit seiner Mutter Josephine, die selbst Gedichte und Dramen schreibt. Von seinem Vater Philipp Jakob hat er diese Leidenschaft eher nicht geerbt: Dieser ist Ingenieur und an der legendären Rheinbegradigung unter Johann Gottfried Tulla beteiligt.

Der junge Joseph Victor studiert zunächst Rechtswissenschaften in den renommierten Universitätsstädten München, Heidelberg und Berlin. Doch er belegt auch Fächer wie Germanische Philologie und Literatur, ist Mitglied und Ehrenmitglied in Burschenschaften sowie der „Leipziger Universitätssängerschaft St. Pauli zu Mainz“ von 1822, der zweitältesten Deutschlands, deren Verbindungshaus heute in Mainz-Gonsenheim steht. 

Das Epos „Der Trompeter von Säkkingen“ 

Scheffels Jurastudium führt ihn als Rechtspraktikant nach Säkkingen, was sich als schicksalhaft herausstellen soll. Auf seiner ersten Italien reise, durch die er sich aus dem sicheren, aber unbefriedigenden Staatsdienst flüchtet, schreibt er 1853 auf Capri das Versepos „Der Trompeter von Säkkingen“. Das Buch geht auf eine wahre Liebesgeschichte aus dem 17. Jahrhundert zurück: Ein Bürgersohn und eine Adelige heiraten – gegen jahrelange Widerstände und auch erst, nachdem der Bräutigam von einem wohl verständnisvollen Papst zum „Marchese“, einem Markgraf, erhoben wird.

Scheffel ist zu dieser Zeit selbst verliebt in seine Cousine Emma – vermutlich unglücklich, denn sein Werben bleibt erfolglos. 1859, als er sich dauerhaft in seiner Geburtsstadt Karlsruhe niederlässt, lernt er seine spätere Frau, Caroline Freiin von Malsen, kennen. Jedoch die 1864 geschlossene Ehe mit der Tochter des bayrischen Hofgesandten ist nicht von Dauer: Bereits bei der Geburt des gemeinsamen Sohns Victor drei Jahre später sind die Eltern getrennt. 

Bedeutung bis heute 

Dem „Trompeter von Säkkingen“ folgen weitere Werke wie der historische Roman „Ekkehard“ oder die Liedersammlung „Gaudeamus, Lieder aus dem Engeren und Weiteren“ (1868) und andere, die Scheffel zu einer Art „Popstar“ des Biedermeier werden lassen. Seine Lesungen werden geradezu gestürmt, kurzfristig werden Zusatztermine organisiert. Er antwortet mit Autogrammkarten auf die Post seiner Verehrer und Verehrerinnen und zahlreiche Postkarten zieren das Konterfei des Dichters – damaliges Merchandising. In den „Scheffelstädten“ Heidelberg, Bad Säckingen, Radolfzell, Singen am Hohentwiel und natürlich Karlsruhe sind bis heute sichtbare Spuren von ihm zu finden. Doch nach dem 1. Weltkrieg sinkt Scheffels Stern: Seine verklärte Sicht auf das Mittelalter kommt in der „neuen Sachlichkeit“ der Weimarer Republik nicht gut an. Erst ab den 1980er Jahren erfahren seine Werke wieder mehr Beachtung.

Der 1924 gegründete Deutsche Scheffelbund ist bis heute mit über 5.500 Mitgliedern bundesweit die größte literarische Vereinigung. Jährlich vergibt die Literarische Gesellschaft Karlsruhe den Scheffel-Preis an die besten Abiturienten im Fach Deutsch an insgesamt 600 Gymnasien in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und im Saarland. Einer der Preisträger von 1968 ist übrigens ein gewisser Winfried Kretschmann vom Hohenzollern-Gymnasium Sigmaringen …

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Dezember 2020)

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