STRASSEN

Wallaustraße

Revoluzzer, Fassenachter  und Oberbürgermeister 
Der Name zur Straße: Wer war Carl Wallau?

(lp) Die Wallaustraße, einst Zwetschenallee,  ist die längste Straße der Mainzer Neustadt nach der Rheinallee. Sie reicht vom 117er Ehrenhof bis zum Kaiser-Karl-Ring. Aber woher kommt der Name? Fast am Ende der Wallaustraße, an der Ecke zur Moselstraße findet sich unter dem Straßennamen ein kleines Zusatzschild: „Karl W. 1823 – 1877, Oberbürgermeister 1877“. Das war’s! Wer aber war Carl (Karl) Wallau? 

Carl Wallau wurde 1823 in Mainz  geboren. Nach seiner Ausbildung als Drucker bei „Johann Wirth“ ging Wallau, dies war zur damaligen Zeit üblich, auf Wanderschaft durch Europa. Er engagierte sich in politischen Handwerker bünden. 

Bei seiner Wander schaft kam er unter  anderem nach Brüssel. Dort lernte er neben dem Dichter Ferdinand Freiligrath (1810-1876) auch Friedrich Engels und Karl Marx kennen. Wallau wurde Gründungsmitglied des „Bund der Kommunisten“. Mainz war als vorläufiges Zentrum aller Arbeiter(bildungs)vereine vorgesehen. Wallau kehrte 1848 nach Mainz zurück und gründete den „Bildungsverein für Arbeiter“, der bereits nach einem Monat über 700 Mitglieder zählte. 

Mit der Niederschlagung der 48er Revolution musste Wallau ins Ausland fliehen. In Abwesenheit verurteilte man ihn in den Zweibrücker Hochverratsprozessen zum Tode. Das zuständige Mainzer Schwurgericht sprach ihn jedoch 1850 frei. Wallau konnte nach Mainz zurückkehren. Hier errichtete er eine erfolgreiche Druckerei. 

1866 gründete Konrad Alexis Dumont mit  Georg Schmitz, Georg Oechsner und Wallau die „Demokratische Partei“. Diese wurde im Verbund mit süddeutschen Demokraten (der späteren „Deutschen Volkspartei“) in den Reichstag gewählt. Unterstützung erhielt sie im Auftrag der IAA (Internationale Arbeiter-Assoziation) von August Bebel und Wilhelm Liebknecht. 

1871 wurde Wallau in den Mainzer Stadtrat  und im Juni des gleichen Jahres zum Ersten Beigeordneten gewählt. 

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Nach C. A. Rackés (Kaufmann, Beigeordneter, Bürgermeister) Rücktritt verwaltete Wallau zwei Jahre kommissarisch das Bürgermeisteramt. 1874, nach Einführung der neuen hessischen Gemeindeordnung, wählte man ihn zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister und 1877 zum Oberbürgermeister. Letzteres Amt hatte er nur kurz inne. Er starb 53-jährig am 7. Juli 1877 in Mainz und wurde auf dem Mainzer Hauptfriedhof bestattet. 

Wallau war maßgeblich an der Mainzer  Stadtentwicklung beteiligt. In seine Amtszeit fiel im September 1872 der Stadterweiterungsvertrag zwischen dem deutschen Reich und der Stadt Mainz. Mit der Einbeziehung des Gaadefelds hatte sich die Stadtfläche mehr als verdoppelt. 1874 erfolgte die vertragliche Vereinbarung mit der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft zur Verlegung der Eisenbahntrasse weg vom Rheinufer zur Landseite, wo sie sich auch heute noch befindet. 1876 begann dann auch der benötigte Tunnelbau. Die Verlagerung der Trasse war wesentlich für die Rheinufererweiterung und den Bau des Zoll- und Binnenhafens. 

Wallau war nicht nur Drucker, Wegbegleiter von Marx und Politiker, er war auch aktiver Fassenachter. Er stand 1872 dem Mainzer Carneval-Verein (MCV) als Präsident vor.

(aus: Mainzer Neustadt-Anzeiger, Ausgabe Juni 2012)

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